Schwerkranke Hündin ausgesetzt – Tierheim rettet Lilly vor dem Tod

HNA vom 10.09.2025

Es ist ein Fall, der fassungslos macht. Hundebesitzer haben die etwa zwölf Jahre alte und schwerkranke Tibet-Terrier-Mix-Hündin Lilly ausgesetzt.

Felsberg – Das Tierheim Beuern nahm die Hündin auf und rettete ihr damit das Leben. „Als die Hündin Anfang August in Schauenburg gefunden wurde, blutete sie stark und wurde sofort ins Tierheim gebracht“, teilt das Tierheim Beuern mit. Erste Untersuchungen haben ergeben, dass die Entzündungswerte sehr hoch waren. Lilly litt an einer lebensbedrohlichen Gebärmutterentzündung. Doch nicht nur das. Neben der Entzündung diagnostizierten Tierärzte eine erhebliche Umfangsvermehrung an der Gebärmutter. „Der Befund ergab einen großen Tumor“, heißt es.

Nur durch eine sofortige Notoperation überlebte die Hündin. Der Tumor – so groß wie ein Tennisball – konnte entfernt werden. Derzeit erholt sich die Hündin in der Obhut einer Mitarbeiterin des Tierheims.

Besitzer bezeichnet Hündin als Dreckstöle

Während die Tierheimmitarbeiter um Lillys Leben kämpften, meldete sich ihr Besitzer telefonisch. Doch anstatt seine Hündin zurückzunehmen, habe er erklärt, dass man mit „mit Lilly machen soll, was man wolle“. Später habe er sogar angegeben, der Hund gehöre seinem Vater, der ihn als „Dreckstöle“ bezeichnete und einschläfern lassen wollte„.

Ein solches Verhalten ist selbst für hartgesottene Mitarbeiter kaum vorstellbar“, zeigt sich das Tierheim schockiert. „Trotz allem, was Lilly erlebt hat, ist sie unglaublich freundlich und sucht die Nähe zum Menschen. Sie schaut einen an, als wüsste sie genau, dass sie noch eine Chance bekommen hat“, sagt die Pflegerin, die Lilly derzeit bei sich zu Hause betreut.

Als Konsequenz für das rücksichtslose Verhalten des Besitzers hat das Tierheim inzwischen juristische Schritte gegen den Halter eingeleitet. „Es wurde auf grausame Weise versucht, sich eines kranken Tieres zu entledigen. Das geschieht am Ende auf Kosten der Allgemeinheit, denn die hohen Behandlungskosten muss das Tierheim und damit die Spenderinnen und Spender schultern“, teilt das Tierheim mit. „Dieses Verhalten ist ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Leider beobachten wir solche Fälle immer häufiger, und sie belasten den Tierschutz in unserer Region massiv.“

Alleine für die Hündin Lilly sind bisher bereits 2700 Euro Behandlungskosten angefallen.

Früher sei das Tierheim vor allem eine zeitlich begrenzte Unterkunft für Tiere gewesen, bis sie ein neues Zuhause gefunden hatten, sagt Ralf Pomplun, Vorsitzender des Tierheims. Heute sei es weit mehr: eine Mischung aus Tierklinik, Rehabilitationsstation, Altersheim und Zufluchtsort für aggressive und verhaltensauffällige Hunde mit schwieriger Vergangenheit, die niemand mehr aufnehmen möchte.

Situation im Tierheim Beuern spitzt sich zu

Inzwischen blieben Hunde und Katzen fast dreimal so lange im Tierheim wie noch vor fünf Jahren, sagt er. „Während Hunde und Katzen vor fünf Jahren im Schnitt 35 Tage im Heim blieben, sind es heute durchschnittlich 95 Tage – fast eine Verdreifachung.“

Rund 98 Prozent aller Tiere werden mittlerweile ernsthaft erkrankt und deutlich geschwächt ins Tierheim gebracht, sagt er. Das Ergebnis seien lange Behandlungen, intensive Pflege, hohe finanzielle Belastungen sowie verzögerte Vermittlungen. „Für viele Tiere ist das Tierheim Beuern die letzte Rettung“, sagt er.

Um die Versorgung von Lilly und der Tiere langfristig zu sichern, bittet das Tierheim um Spenden. „Jedes Tier, das hier aufgenommen wird, hat eine zweite Chance verdient – und wir brauchen die Unterstützung der Region, damit wir sie auch geben können“, appelliert Pomplun. Für Lilly werde nun ein neues Zuhause gesucht.

Kontakt: Ein Heim für Tiere, Tel. 0 56 62/64 82 (Montag bis Sonntag, 14–16 Uhr) oder per Mail an info@tierheim-beuern.com
(Kerim Eskalen)